Dokumentarische Zeugnisse, die von außergewöhnlichem Wert für die Menschheitsgeschichte sind, verzeichnet die UNESCO im Weltdokumentenerbe. Die inzwischen knapp 300 Dokumente sollen vor dem Vergessen bewahrt, erhalten und einfach zugänglich gemacht werden. Zu den Einträgen aus Deutschland gehören z.B. die Himmelscheibe von Nebra, die Göttinger Gutenberg-Bibel und die h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach.
Drei eindrucksvolle mittelalterliche Handschriften aus den Sammlungen der Staatsbibliothek Bamberg zählen ebenfalls zum Weltdokumentenerbe der UNESCO:
Das Lorscher Arzneibuch, die Bamberger Apokalypse sowie einen Codex, der das Hohelied Salomos und das Buch Daniel enthält.
Das Lorscher Arzneibuch (Staatsbibliothek Bamberg, Msc.Med.1) ist das älteste erhaltene medizinisch-pharmazeutische Buch des abendländischen Frühmittelalters. Mehrere Hände schrieben es Anfang des 9. Jahrhunderts im südhessischen Benediktinerkloster Lorsch. Es ist konzipiert als Nachschlagewerk für die praktische Arbeit eines Klostermediziners und überliefert Zutaten, Herstellung und Anwendung von annähernd 500 Arzneimitteln griechisch-römischer Tradition. Die Rezepturen dokumentieren, wie die antike Medizin im christlichen Mittelalter fortlebte. Ein Vorwort verteidigt ärztliches Handeln im Sinne christlich gebotener Nächstenliebe gegen Vorbehalte, angewandte Heilkunst sei ein nicht zulässiger Eingriff in den göttlichen Heilsplan.
Mönche des Benediktinerklosters auf der Insel Reichenau im Bodensee schufen um die erste Jahrtausendwende zwei Prachthandschriften und schmückten sie meisterhaft mit farbenfroher Buchmalerei aus: Die Bamberger Apokalypse (Staatsbibliothek Bamberg, Msc.Bibl.140) ist heute der wohl berühmteste Schatz, den die Staatsbibliothek hütet. Der Codex enthält das letzte Buch des Neuen Testaments, die Geheime Offenbarung des Johannes. Zahlreiche ganzseitige Miniaturen setzen das endzeitliche Geschehen in äußerst expressive und dramatische Bilder um. Es handelt sich hierbei um den einzig erhaltenen Bilderzyklus zu dieser Thematik aus ottonischer Zeit. Ein doppelseitiges Herrscherbild markiert den Übergang zum zweiten Teil des Codex, einem Evangelistar. Nach Bamberg gelangte die Bamberger Apokalypse nachweislich auf Betreiben Kaiser Heinrichs II. und seiner Frau Kunigunde. Die beiden schenkten die Handschrift dem Bamberger Kollegiatstift St. Stephan, womöglich anlässlich der Kirchweihe im Jahr 1020.
Die zweite Reichenauer Handschrift umfasst das Hohelied Salomos und das Buch Daniel (Staatsbibliothek Bamberg, Msc.Bibl.22) mit Kommentaren. Je zwei doppelseitig einander gegenüberliegende Illustrationen markieren den Beginn der beiden Bücher des Alten Testaments. Dargestellt sind der von Ecclesia geführte Zug der Getauften zum Kreuz, gegenüber der thronende Christus in einer O-Initiale sowie der Traum des Nebukadnezar vom Koloss mit den ehernen Füßen, gegenüber der Prophet Daniel in einer A-Initiale. Nach Bamberg gelangte diese Handschrift im Zuge der Bistumsgründung im Jahr 1007 als Geschenk Heinrichs II.
In der Eingangshalle der Staatsbibliothek Bamberg können Gäste an einem Medientisch virtuell in ausgewählten Bücherschätzen blättern, darunter die drei im Weltdokumentenerbe der UNESCO gelisteten Handschriften.