Als freischaffender Künstler war Borutscheff eine der imposantesten und farbigsten Erscheinungen der Bamberger Kunstszene, freundlich-zurückhaltend, leicht misstrauisch, am Ende seines Lebens verwirrt. Die Staatsbibliothek Bamberg bewahrt sein Werk, 1995 gelang die Übernahme des Künstlernachlasses. Die Ausstellung gibt erstmals einen umfassenden Einblick in Borutscheffs Schaffen.
Alexej Archipowitsch Borutscheff wurde 1911 in Roslawl im Westen Russlands geboren. Während des Zweiten Weltkriegs geriet er 1941 in deutsche Kriegsgefangenschaft, 1945 kam er nach Bamberg. Hier lebte und wirkte er bis zu seinem Tod 1994, nur einmal unterbrochen durch einen mehrjährigen Aufenthalt im schweizerischen Murten.
Der studierte Architekt wandte sich bald ganz der Kunst zu. Er stellte die barocken Figuren des Bibliothekssaals von Kloster Waldsassen dar, ebenso die mittelalterlichen Kreuzgang-Kapitelle des Bamberger Karmelitenklosters, denen er ein eigenes Buch widmete. Bedeutend sind seine literarischen Illustrationen, so 176 zu Goethes „Faust“ und zahlreiche zu E. T. A. Hoffmann. Andere Werke der Weltliteratur schrieb Borutscheff von Hand ab und illustrierte vor allem solche Texte, die große menschliche Themen behandeln: Aesops „Fabeln“, Aristophanes’ „Lysistrate“, Erasmus’ von Rotterdam „Lob der Narrheit“, Shakespeares „Macbeth“, Swifts „Gullivers Reisen“, Brechts Gedichte. Die Werke russischer Autoren, wie Tolstois „Leinwandmesser“ und Solschenizyns „Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch“, schätzte er besonders. Aus Bamberg und seinem Umland stellte Borutscheff Ansichten, Kirchen, Gebäude und Plastiken dar. Dazu kamen Personen, Tiere, Pflanzen, Genreszenen und Porträts. Seine Zeichnungen, Holzschnitte und Radierungen haben einen eigenen Stil, sind holzschnittartig und phantastisch zugleich. Er schuf außerdem Aquarelle, Gemälde und (wenige) plastische Werke.
Datum: 17. Mai 2026
Zeit: 11:00 Uhr
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